Konzert mit Herz

"Die Rheinpfalz" (Matthias Nowack, Januar 2026)

Die Pianistin Anastasia Yasko begeistert im Historischen Ratsaal in Speyer mit russischen Klaviersonaten

Ein Konzert als musikalisches Statement: mit selten gespielten Klaviersonaten russischer Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts und einer Interpretation von großer Intensität begeisterte die in Kursk geborene Pianistin Anastasia Yasko die Zuhörer im ausverkauften Historischen Ratsaal von Speyer. Yasko’s Auftritt zeigte ausdrucksvoll, wie die Musik auch in politisch schwierigen Zeiten verbinden kann.

Eingeladen hatte der Freundekreis Kursk, der sich – trotz der schwierigen politischen Lage infolge des Ukraine-Krieges – um den weiterhin kulturellen Dialog mit Speyers russischer Partnerstadt bemüht. Ein Engagement, das an diesem Abend eindrucksvoll bestätigt wurde mit verborgenen Schätzen russischer Klaviermusik: auf dem Programm standen Komponisten wie Pjotr Iljitsch Tschaikowski, Georgij Swiridow, Anatoli Ljadow und Sergei Rachmaninow. Gefördert wurde das Konzert mit Paul-Neumann-Stiftung. Erinnern wollte Yasko an den vor 110 Jahren in Kursk geborenen Komponisten Georgij Swiridow (1915-1998), der im Westen wenig bekannt ist, in Russland jedoch als eine der prägenden Stimmen des 20. Jahrhunderts gilt. Yasko führte kenntnisreich in Leben und Werk Swiridows ein und präsentierte die Klaviersonate op. 4 – ein während des Zweiten Weltkriegs entstandenes, hochdramatisches Werk. Mit technischer Präzesion und großer Ausdruckskraft machte sie dessen innere Spannungen eindrucksvoll hörbar. Zudem erklangen Tschaikowskis Variationen über ein originelles Thema des Komponisten (op.19 F-Dur), das in seiner Melodik stark an ein russisches Volkslied erinnerte und das h-Moll-Präludium von Anatolij Ljadow (op. 11 h-Moll), das mit stiller Melancholie und feiner lyrischer Balance überzeugte. Zum unbestrittenen Höhepunkt des Konzertes wurde jedoch Sergei Rachmaninows monumentale Klaviersonate Nr. 1 (op. 28 d-Moll). Der Komponist verstand das Werk als musikalische Annäherung an Goethes „Faust“: der erste Satz steht für Faust, der zweite für Gretchen, der dritte für gemeinsanem Ritt mit Mephisto zum Brocken. Yasko entfachte hier ein klangliches Feuerwerk – mit vollen Wucht, lyrischen Passagen, virtuosen Kaskaden und bemerkenswerter Klarheit. Die komplexe Architektur der Partitur ließ sie mit beeindruckender Präzision und großer Einfühlung aufleuchten. Das Publikum folgte diesem unwiderstehlichen Sog gebannt – und dankte stehend mit Ovationen. Es war ein bewegendes Konzert mit Herz: Yasko überzeugte nicht nur als brillante Technikerin, sondern als tiefgründige Gestalterin, die Musik denkt, erzählt und erfahrbar macht. Ihre internationale Karriere umfasst zahlreiche Preise bei Wettbewerben sowie eine Reihe vielbeachtete CD-Anspielungen mit Schwerpunkt auf russischer und romantischer Klaviermusik. Auftritte führten sie nach Russland, in die Ukraine, nach Deutschland, Österreich, Italien, Spanien, Frankreich, Portugal und Japan. In seinem Schlusswort dankte Roland Kern, Vorstandssprecher des Freundeskreises Kursk, der Pianistin für ein herausragendes Konzerterlebnis und äußerte den Wunsch nach weiteren Gastspielen in Speyer. Blumen gab es nicht nur für die Künstlerin, sondern auch für die scheidende Kulturdezernentin Monika Kabs, die für ihr langjäriges Engagement in den Speyerer Städtepartnerschaften gewürdigt wurde.