{"id":374,"date":"2025-03-27T16:45:25","date_gmt":"2025-03-27T16:45:25","guid":{"rendered":"https:\/\/anastasiayasko.com\/?post_type=press_article&#038;p=374"},"modified":"2025-03-27T16:45:25","modified_gmt":"2025-03-27T16:45:25","slug":"russisches-sonaten-triptychon","status":"publish","type":"press_article","link":"https:\/\/anastasiayasko.com\/en\/press-article\/russisches-sonaten-triptychon\/","title":{"rendered":"Russisches Sonaten-Triptychon"},"content":{"rendered":"\n<p>Wer nach etwas verborgenen Sch\u00e4tzen im Repertoire sucht, der kann bei den klanglich-historischen Expeditionen der russischen Pianistin&nbsp;<strong>Anastasia Yasko&nbsp;<\/strong>f\u00fcndig werden. Auf ihrem zweiten Album setzt sie ihre interpretatorische Expedition durch die Klaviersonaten aus der Feder ihrer Landsleute mit \u00fcberzeugender Tiefensch\u00e4rfe fort. Auf dem Volume 2 geht es nun um Sergei Rachmaninoffs Klaviersonate Nr. 1 in d-Moll op. 28, Dmitri Schostakowitschs Sonate Nr. 2 op. 61 und Dmitri Kabalewskys Sonate Nr. 3 op. 46.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese drei Werke aus drei unterschiedlichen musikhistorischen Epochen k\u00f6nnten in ihrem Ausdruckscharakter kaum verschiedenartiger sein. Dem individuellen einf\u00fchlsamen Spiel dieser Interpretin ist es aber zu verdanken, dass auf dieser Aufnahme das Verbindende mehr Kraft hat als historische Epochenbr\u00fcche.<\/p>\n\n\n\n<p>Rachmaninoffs monumentale Klaviersonate Nr. 1 in d-Moll op. 28 entfaltet mit ihren virtuosen Kaskaden einen unwiderstehlichen Sog. Anastasia Yasko l\u00e4sst die architektonischen Strukturen dieser komplexen Partitur mit beeindruckender Pr\u00e4zision und noch mehr Einf\u00fchlungsgabe aufleuchten. Besonders beeindruckt die Transparenz ihres Spiels, die auch in dichtesten Passagen nie verloren geht. Die Sonate ist l\u00e4ngst nicht mehr Selbstzweck \u2013 auch nicht bei Rachmaninow, der verschiedene aufschlussreiche Referenzpunkte in dieser Komposition offenlegt. Hinter der ganzen Architektur dieses Werks steht eine Auseinandersetzung mit Goethes Faus, ebenso sind Spurenelemente aus Beethovens Sinfonik mit dieser Tonsprache verwoben und nach einem introspektiven Lento-Satz besticht der dritte Satz durch seine raffinierte Adaption des \u201eDies-Irae\u201c-Motivs, das aber gar nicht so schicksalsschwer drohend, sondern in seinen subtilen Abwandlungen deutlich hintergr\u00fcndiger als in vielen anderen Adaptionen der Musikgeschichte wirkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Anastasia Yaskos kluger interpretatorischer Ansatz, der analytische Klugheit mit vitaler Spielfreude verbindet, ist auch im weiteren eine sichere Bank. In Dmitri Schostakowitschs Sonate Nr. 2 op. 61 entsteht daraus viel analytische Klarheit, um die ausgiebigen kontrapunktischen Strukturen zu erkunden. Ja, man k\u00f6nnte in dieser Musik \u2013 dem historisch-programmatischen Bezug Rechnung tragend, noch deutlich st\u00e4rker mit fahlen Klangfarben und scharfen Br\u00fcchen arbeiten. Anastasia Yaskos Sache ist eine solche \u00dcber-Interpretierung nicht und das kommt auf jeden Fall jener tiefen Musikalit\u00e4t zugute, die Schostakowitschs innovativem Tonsatz innewohnt. Nicht nur, aber vor allem dann, wenn viele r\u00e4tselhaften Melodielinien auf modaler Struktur bauen, so dass eine unterschwellige Prise Jazz aufblitzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Am meisten \u00fcberrascht auf diesem Tontr\u00e4ger Dmitri Kabalewskys Sonate Nr. 3 op. 46 und auch hier l\u00e4sst Anastasia Yaskos angenehm physischer Zugriff beim Spiel den roten Faden nicht abrei\u00dfen \u2013 ganz im Gegenteil. Das vermeintlich leichtgewichtige, aber unter der Oberfl\u00e4che doch viel ironischere Werk spricht seine ganz eigene Sprache, vor allem, wenn Anastasia Yasko die ausgiebigen perkussiven Verdichtungen und virtuosen Figurationen wie nat\u00fcrliche Kraftstr\u00f6me durch die Klaviatur flie\u00dfen l\u00e4sst. Der wilde Baba-Jaga-Tanz des Finales ger\u00e4t zum H\u00f6hepunkt pianistischer Gestaltungskunst, ohne dabei je die musikalische Substanz zu vernachl\u00e4ssigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verschmelzung von Yaskos technischer Meisterschaft mit ihrer intellektuellen Durchdringung des Notentextes macht diese Einspielung zu einer erfrischenden Repertoire-Bereicherung. Wenn auch ihr charakteristischer Anschlag manchmal noch subtile Bandbreite an koloristischer Abstufungen vertragen k\u00f6nnte, \u00fcberzeugt Anastasia Yaskos interpretatorischer Weitblick in Bezug auf das Gro\u00dfe Ganze, wenn analytische Pr\u00e4zision und pianistische Passion zur Einheit kommen. Denn hier wird der Musik vorurteilsfrei mit wachem Geist und offenem Ohr begegnet, was auch immer etwas mit Wiederentdeckung<\/p>\n\n\n\n<p>Stefan Pieper<\/p>\n","protected":false},"template":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/anastasiayasko.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/press_article\/374"}],"collection":[{"href":"https:\/\/anastasiayasko.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/press_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/anastasiayasko.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/press_article"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/anastasiayasko.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=374"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}