{"id":370,"date":"2025-01-14T14:59:50","date_gmt":"2025-01-14T14:59:50","guid":{"rendered":"https:\/\/anastasiayasko.com\/?post_type=press_article&#038;p=370"},"modified":"2025-01-14T14:59:50","modified_gmt":"2025-01-14T14:59:50","slug":"anastasia-yasko-mit-drei-russischen-klaviersonaten-des-20-jahrhunderts","status":"publish","type":"press_article","link":"https:\/\/anastasiayasko.com\/en\/press-article\/anastasia-yasko-mit-drei-russischen-klaviersonaten-des-20-jahrhunderts\/","title":{"rendered":"Anastasia Yasko mit drei russischen Klaviersonaten des 20. Jahrhunderts"},"content":{"rendered":"\n<p>Heute (10. Januar 2025) erscheint unter dem Titel&nbsp;<strong><em>20th Century Russian Piano Sonatas<\/em>, Vol. 2<\/strong>&nbsp;das neue Album der mehrfach preisgekr\u00f6nten russischen Pianistin&nbsp;<strong>Anastasia Yasko<\/strong>, sie hat es beim Label Ars ver\u00f6ffentlicht, und es enth\u00e4lt drei gro\u00dfformatige Klaviersonaten von Rachmaninow, Schostakowitsch und Kabalewski. Zugleich ist es die Fortsetzung ihrer bereits vor drei Jahren f\u00fcr den &#8222;Opus Klassik&#8220; nominierten Deb\u00fct-CD (<a href=\"https:\/\/www.jpc.de\/jpcng\/classic\/detail\/-\/art\/20th-century-russian-piano-sonatas\/hnum\/10378625\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><em>20th Century Russian Piano Sonatas<\/em>, Vol. 1<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgenommen hatte sie die Werke im Sommer d.J. im ober\u00f6sterreichischen Klavierhaus Schimpelsberger Wels, und sie spielte dort auf einem satt und warm klingenden FAZIOLI-Fl\u00fcgel der Manufaktur Sacile aus der f\u00fcr traditionelle Holzverarbeitungskunst ber\u00fchmten Provinz Pordenone &#8211; 60 Kilometer nord\u00f6stlich von Venedig gelegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die von der Interpretin ausgew\u00e4hlten und den meisten H\u00f6rern (so auch mir!) weniger bekannten drei Meisterwerke russischer Klavierliteratur &#8211; n\u00e4mlich die erste Klaviersonate von Sergei Rachmaninow (1873-1943), die zweite von Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) und die dritte von Dmitri Kabalewski (1904-1987) &#8211; lie\u00dfen lt. Yasko&nbsp;<em>&#8222;auch einen Einblick in die musikalische und kulturelle Entwicklung Russlands sowie der Sowjetunion zwischen 1908 und 1946&#8220;<\/em>&nbsp;erkennen:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Dramaturgisch f\u00fchren uns diese Werke durch die unsichere und turbu\u00adlente Zeit zwischen Revolutionen und dem Ersten Weltkrieg, durch die Trag\u00f6\u00addien des Zweiten Weltkriegs bis hin zu einem hoffnungsvollen Ausblick auf eine \u201ahelle Zukunft\u2018 in friedlicheren Zeiten. Alle drei Werke geh\u00f6ren f\u00fcr mich zu den verborgenen Sch\u00e4tzen des pianistischen Repertoires.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Yasko verfasste das Booklet (wie auch schon zu&nbsp;<em>20th Century&#8230;<\/em>, Vol 1 und ihrem 2023er&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.kultura-extra.de\/musik\/spezial\/CDkritik_AnastasiaYasko_Chopin.php\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Chopin-Album<\/a>) selbst, und darin gibt sie gut lesbare Werkeinf\u00fchrungen, nimmt also H\u00f6rer unterhakend mit in ihre weite, weite Welt&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>*<br>Als ich den Namen Kabalewski jetzt nach vielen, vielen Jahren erstmals wieder las, assoziierte ich sofort meine jugendlichen Klavierstunden, in denen mir mein damaliger Musiklehrer auch diverse Lernst\u00fcckchen Kabalewskis zum \u00dcben mit nachhause gab; von ihm existieren die nicht unber\u00fchmten&nbsp;<em>24 kleinen St\u00fccke f\u00fcr Klavier<\/em>, jenem sowjetischen Pendant zu Schumanns&nbsp;<em>Album f\u00fcr die Jugend<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Schostakowitsch komponierte Lernst\u00fccke f\u00fcr Heranwachsende; und ich glaube mich vage zu erinnern, dass ich auch aus dessem\u00a0<em>Kinderalbum f\u00fcr Klavier<\/em>\u00a0das eine oder andere ge\u00fcbt und danach auswendig vor meinem damaligen Lehrer gespielt hatte. Jetzt also ist das alles pl\u00f6tzlich wieder voll in meinem Bewusstsein &#8211; ziemlich merkw\u00fcrdig (und sch\u00f6n!), dass ausgerechnet Yaskos neue CD so etwas in mir auszul\u00f6sen im Stande war&#8230; <\/p>\n\n\n\n<p>Die Rachmaninow-Sonate ist, allein von ihrem Umfang her (36 min), das ungleich markanteste Opus auf Yaskos CD, ja und sie spielt sie daher voller Wucht und breitwandfilmisch vorstellbarer Dimension. Der Komponist beabsichtigte mit ihr nicht viel weniger als Goethes\u00a0<em>Faust<\/em>\u00a0(sagen wir&#8217;s so:) n\u00e4her als nah zu sein; so sollte der 1. Satz der Titelfigur, der 2. Satz dem Gretchen und der 3. Satz dem gemeinsamen Flug mit Mephistopheles zum Brocken hoch hinauf &#8222;entsprechen&#8220; &#8211; das war freilich h\u00f6chstambitioniert gemeint, obgleich Rachmaninows Musik (auch v\u00f6llig unabh\u00e4ngig des von ihm gewollten literarischen Vergleichs) f\u00fcr sich allein sprach\/ spricht. \u00dcppigste Sp\u00e4tromantik in komplexester Dramaturgie. Schostakowitschs Klaviersonate Nr. 2 in h-Moll gilt &#8211; neben der 7. und 8. Sinfonie, dem Klaviertrio und dem 2. Streichquartett &#8211; als eines der\u00a0<em>&#8222;musikalischen Denkm\u00e4ler&#8220;<\/em>\u00a0aus seiner Zeit w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges. Er hatte vor ihr 16 Jahre nichts mehr f\u00fcr Klavier geschrieben und widmete sie seinem damaligen Klavierlehrer am Petrograder Konservatorium Leonid Nikolajew (1878\u20121942). Mit ihren ca. 26 Minuten Spieldauer, wobei der als Chaconne angelegte Finalsatz doppelt so lang wie die beiden vorherigen S\u00e4tze ist, wirkt sie nicht so kompakt wie die von Yasko vorangestellte Rachmaninow-Sonate, hat es aber dennoch ziemlich in sich&#8230; Ganz anders verh\u00e4lt es sich mit der abschlie\u00dfenden Kabalewski-Klaviersonate, der dritten seines Werkverzeichnisses. Er hatte sie drei Jahre nach dem Kriegsende komponiert, und sie\u00a0<em>&#8222;\u00fcberrascht mit ihrem optimistischen und m\u00e4rchenhaften Cha\u00adrakter&#8220;<\/em>\u00a0&#8211; Yasko beschreibt sie in ihrem Booklet wie folgt: <em>&#8222;Der erste Satz (Allegro con moto) enth\u00e4lt vor allem unbefangene, lyrische Themen, ohne wesentliche Konflikte oder Dramatik. Die kontrastierende Episode der Durchf\u00fch\u00adrung, die einen marschartigen, invasiven Charakter annimmt, hinterl\u00e4sst trotzdem keinen gro\u00dfen dramatischen, sondern eher einen grotesken Eindruck.<\/em> <em>Der zweite Satz (Andante cantabile) erinnert an einen langsamen, beschauli-chen Walzer. Die gem\u00e4chliche, fast gesang-liche Melodie wird mit Dissonanzen berei\u00adchert. Die Entwicklung der dichten Poly\u00adphonie und dunklen Farben gl\u00fcht in einer kurzen, dramatischen Kulmination auf; doch wird diese sofort wieder aufgel\u00f6st.<\/em> <em>m dritten Satz (Allegro giocoso) herrscht eine scherzoartige, humorvolle Stimmung. Das Hauptthema imitiert einen aufrufenden Trompetenklang. Im Mittel\u00adteil erscheint eine quasi m\u00e4rchenhafte Episode mit einem verr\u00fcckten, wilden Baba-Jaga-Tanz, welcher trotz seiner Aggressivit\u00e4t und Bedrohung nicht ernst\u00adhaft wahrgenommen wird. Die Sonate endet in einer spritzigen und jubelnden Coda, die den H\u00f6rer mit einem Gef\u00fchl von Freude und Optimismus entl\u00e4sst.&#8220;<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p>Grandios gespielt und &#8211; allgemeinverst\u00e4ndlich sekundiert [s. obige Zitate]. Sehr, sehr zu empfehlen.<\/p>\n","protected":false},"template":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/anastasiayasko.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/press_article\/370"}],"collection":[{"href":"https:\/\/anastasiayasko.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/press_article"}],"about":[{"href":"https:\/\/anastasiayasko.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/press_article"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/anastasiayasko.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=370"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}